Historisches

 

740 Jahre – das Rathaus am Markplatz in Göttingen

 

Ratshaus & Ratskeller

Das alte Rathaus in Göttingen – seit fast 740 Jahren am angestammten Platz und damit im Mittelpunkt des städtischen Lebens in Göttingen. Der Ratskeller, als Untermieter vom alten Rathaus und direkter Nachbar des Gänseliesel ist ebenfalls bekannt wie ein bunter Hund.

Das Ratsgebäude, das zunächst ausschließlich den Rats- und Verwaltungsgeschäften der Stadt Göttingen dienen sollte, wurde schnell auch Heimat eines Weinkellers. Übrigens mit Traumbedingungen: Über Jahrhunderte hatte der Ratskeller quasi das Monopol für den Alkohol-Ausschank!

Etwas später durften dann zusätzlich Biere und Branntwein ausgeschenkt werden und sogar die „Rahmenbedingungen“ für fröhliche Zecher wurden im Laufe der Zeit immer günstiger: Die Polizeistunde wurde nach und nach von 22.00 auf 23.00 Uhr und schließlich auf Mitternacht gesetzt. Sicherheitshalber war zudem das Tragen von Waffen in der Schankstube verboten …

Ein berühmter Stammgast des Ratskellers war Heinrich Heine zu seiner Göttinger Studienzeit. Einem Freund gegenüber bekannte er, dass ihn der Ratskeller und seine Leidenschaft für den Gerstensaft ruinieren würden …

Offenbar war Heine nicht der einzige studentische Freund feuchtfröhlicher Trinkgelage, versuchte doch die hannoversche Regierung immer wieder – vergeblich – mit Blick auf eben diese Trinkgelage der Studenten und die Gesundheit der jungen Leute den Ratskeller zu schließen.

Nach der Fertigstellung des Neuen Rathauses 1978 verabschiedete sich die Stadtverwaltung schließlich vom historischen Ratsgebäude und der jahrhundertealten direkten Nachbarschaft zum Ratskeller. Der Ratskeller ist geblieben …

 

Warum heißt der Ratskeller Bullerjahn

Zu touristischer Berühmtheit über die Stadtgrenzen hinaus verhalf dem Ratskeller der Wettstreit zwischen dem städtischen Orchester unter der Leitung von Rudolf Bullerjahn und der Musikkapelle des 82. Infanterieregiments unter der Leitung des „schönen Meyer“. Finanziell nicht gerade üppig ausgestattet, buhlten beide Orchester mit Ihren Musikduellen um Gunst & Geld des Publikums.

Als Folge dieses Wettstreits fand bis etwa 1970 wöchentlich eine berüchtigte Musikveranstaltung von Studenten – der Bullerjahn – statt. Immer wieder freitags führten hier Studentengruppen das Musikduell mit lautstarken Gesängen fort.

Nach rund 600 bewegten Jahren wurde der Ratskeller 2010 rundumerneuert.

Aus dem „Ratskeller“ wurde der „Bullerjahn“ und bleibt seiner Tradition so erst recht verpflichtet.

 

Rudolph Bullerjahn

Der Dirigent Rudolph Bullerjahn wird am 13. Januar 1856 in Berlin geboren. Er erlernt das Geigenspiel, wird ausgebildet unter anderem in Komposition und Harmonielehre. Bereits mit 16 Jahren schloss er sein Studium ab. Seine Musikerkarriere beginnt als Mitglied in Orchestern in Berlin und Sondershausen. Der Dirigent Hans von Bülow schlägt Bullerjahn vor, eine Kapellmeisterlaufbahn einzuschlagen. Er bewirbt sich 1886 in Göttingen auf die Stelle des Musikdirektors. Der Rat der Stadt willigt ein, Bullerjahn tritt seine Stelle zum 1. Juli 1886 an und bezieht eine Wohnung im Haus Weender Straße 52, wo heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Wegen Querelen mit dem Rat um die finanzielle Ausstattung des Orchesters kehrt Bullerjahn Göttingen nach vier Jahren und einem Abschiedskonzert den Rücken. 1890 geht er ins Baltikum, ein Jahr später nach Moskau. Es folgen Gastspiele in St. Petersburg, Brüssel, Kiew und Amerika. Rudolph Bullerjahn stirbt am 7. Januar 1911 in Moskau.

 

Das Bullerjahn-Lied

Herr Direktor Bullerjahn, Bullerjahn ist da!

Herr Direktor Bullerjahn, Bullerjahn, Bullerjahn, Herr Direktor Bullerjahn ist da!

Ist das nicht der wunderschöne Meyer? Ja, das ist der schöne Meyer!“

Herr Direktor Bullerjahn ist da.